Die kantische Glückswürdigkeit in der aristotelischen Eudämonie

15. März 2016 von Manuel Steffen

Vortrag am 10.Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Philosophie, Innsbruck.http://www.uibk.ac.at/ipoint/blog/1326563.html

Die kantische Glückswürdigkeit in der aristotelischen EudämonieUm den Zweck des menschlichen Daseins zu verstehen, muss das Wesen des Menschenerfasst werden. Dabei unterscheidet sich der Mensch von allen bisher bekannten Lebewesen durch sein Bewusstsein des in die Weltgeworfenseins, wodurch er sich als einLebewesen unter vielen begreift, welches ein bloßer Teil einer endlichen Welt ist, derenGesetzmäßigkeiten er ausgeliefert zu sein scheint. Und doch kann er sich in dieser Weltbewusst bewegen, versuchen Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und diese wiederum ihmselbst zu Nutze zu machen. Wobei sich die Frage stellt, ob die Motivation, die Zielsetzungsomit letztendlich der Zweck, den sich der Mensch setzt, aus einer Beobachtung dieserWelt heraus letztgültig ableitbar ist oder ob es seine eigene Entscheidung ist, die Entscheidung jedes Einzelnen und ob nicht gerade diese Unbestimmtheit, letztendlich die Frage„Wer wir sind?“, uns mehr charakterisiert als die mögliche Antwort darauf. Denn kannman diese Frage nicht letztgültig beantworten, dann wird damit auch eine letztgültigeMoral verneint oder zumindest doch in Frage gestellt, diese könnte nur noch daraufbegründet werden, dass sie Handlungsmotivationen vorschreibt, bei deren Befolgungwir eine bestimmte Welt, eine bestimmte Art des Zusammenlebens erhalten. Die Frage,ob diese Moral gelten und deren zumindest äußere Befolgung durch Zwang auf anderedurchsetzbar gemacht werden soll, kann nur dadurch entschieden werden, indem wir uns auf eine Welt einigen, wie wir sie haben wollen, aufgrund dieses gemeinsamen Zielswäre die Geltung einer dorthin führenden Moral möglicherweise gegeben. Dabei bleibtnatürlich die Frage offen, ob es legitim sein kann ein Individuum, das diesen allfälligen Konsens nicht mitträgt, zu einem diesen gemäßen Verhalten hin zu maßregeln, wobei dieLegitimität und die Notwendigkeit zur Erreichung des Ziels als Fragen voneinander zuunterscheiden sind. Denn es ist zu klären, ob eine notwendige Handlung, die Legitimitätfür sich schon bedingt oder ob eine an sich illegitime Handlung notwendig sein kann, umeinen idealen Zustand herbeizuführen, der damit auch legitim ist und jede Handlung,die zu ihm führt, legitimiert. Ein Beispiel zur Veranschaulichung, wobei hier vorweg einepazifistische Welt als ideal anzusehen ist: Ein Pazifist steht einem Aggressor gegenüber,der keine Mühe scheut ihn gewaltsam zu vernichten. Wenn der Pazifist nun für sich dieMaxime der Gewaltlosigkeit vertritt, so hätte er nur die Möglichkeit sich vom Aggressorüberwältigen zu lassen und somit unter Einhaltung seiner Maxime den Tod zu finden.Das Ziel einer friedfertigen Welt ohne Gewalt wäre somit nicht mehr erreichbar, sofernalle Pazifisten ihrem Ideal treu blieben. Würde in einer Variante der Pazifist seine Maximenicht so ernst nehmen bzw. würde er sie als Ziel anstatt als Handlungsgrundlage sehen,so stünde es ihm plötzlich offen den Aggressor abzuwehren, um nach dessen Vernichtungeine nach seinen Idealen bestimmte pazifistische Weltordnung zu etablieren. Das Ausgangsbeispiel veranschaulicht die Anwendung des kategorischen Imperativs, in der Variante handelt es sich hingegen um einen hypothetischen Imperativ, der nach Kant keinmoralischer ist, der aber wie im obigen Beispiel gesehen „praxisrelevanter“ zu sein scheint.Die Eudämonie des Aristoteles kann als solcher hypothetischer Imperativ gelesen werden,wobei jedoch auch hier besonders in der Schrift der Nikomachischen Ethik Ansätze füreinen kategorischen Imperativ zu finden sind. Schließlich und endlich lautet die Frage,ob inhumanem Handeln um des Ziels einer „größeren“ Humanität willen, Legitimitätverliehen werden kann (Stichwort: Folter) oder ob nicht durch die Korrumpierung desWeges das Ziel selbst unerreichbar wird

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