Zum Verhältnis zwischen klassischer Ethik und Angewandter Ethik

30. Juni 2011 von Norbert Paulo

Die Frage nach einer Grenzziehung zwischen klassischer Ethik und Angewandter Ethik ist weitgehend ungeklärt. Einige sehen die einzelnen Bereichsethiken als „Anwendungen“ abstrakter Prinzipien klassischer Ethik, ziehen eine Grenze also nicht im Anwendungsbereich, sondern eigentlich nur im Abstraktionsgrad. Andere sehen gar keinen Zusammenhang zwischen klassischer und Angewandter Ethik und ziehen damit eine klare Grenze: Klassische Ethik habe mit den Gegenständen der Bereichsethiken nichts zu tun. Es sei gar nicht ihre Aufgabe, konkrete ethische Fragen zu beantworten. Diese angedeuteten Auseinandersetzungen um das richtige Vorgehen in der Angewandten Ethik sind Ausdruck der Unklarheit über das Verhältnis zwischen klassischer und Angewandter Ethik. Ich werde in meinem Vortrag dafür plädieren, die Angewandte Ethik als Fortentwicklung der klassischen ethischen Theoriebildung zu verstehen; eine Fortentwicklung, die Komplexitäten verschiedener Lebensbereiche aufnimmt und die Anwendungsbedingungen abstrakter Prinzipien spezifiziert. Umgekehrt werde ich aufzeigen, dass die Angewandte Ethik auf die klassische Ethik angewiesen ist, um „Prinzipien mittlerer Reichweite“ überhaupt entwickeln zu können; aber auch, um eine Methode zu entwickeln, welche die Anwendung dieser konkretisierten Prinzipien auf Einzelfragen ermöglicht. Dies alles muss zusammen kommen, um konkrete ethische Fragen nachvollziehbar und transparent beantworten zu können. Deswegen werde ich abschließend der Tendenz in der philosophischen Forschung und Lehre, klassische und der Angewandten Ethik zu trennen, entgegentreten.

Diskussion zum Vortrag.

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