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„Die höchst merkwürdige Intentionalität der Modifikation“ : Ontologie und Phänomenologie der Vergegenwärtigung

30. Juni 2011 von Andrea Borsato

Husserl fasst die Vergegenwärtigung als Modifikation der Wahrnehmung auf , und sein Verständnis des Begriffes ‚Modifikation’ knüpft an Brentano an. Dies bedeutet, dass: (i) aus der Existenz von der Vergegenwärtigung eines Tones die Nichtexistenz der vergegenwärtigten Wahrnehmung des Tones folgt; (ii) aus dem Bewusstsein der Vergegenwärtigung des Tones folgt jedoch das Bewusstsein der Vergegenwärtigten Wahrnehmung des Tones. Damit verbindet Husserl jedoch eine höchst umstrittene, über Brentanos Ontologie weit hinausgehende These: Als Modifikation einer Wahrnehmung umfasst die Vergegenwärtigung eine gleichsam vollzogene Wahrnehmung als „nicht-reelle Erlebnismoment“ . D.h.: (iii) Die vergegenwärtigte Wahrnehmung eines Tones ist ein Teil der Vergegenwärtigung des Tones; Die Auffassung (iii) kann man nun vom Standpunkt der Ontologie höchstens als eine metaphorische annehmen. Würden wir nämlich (iii) ernstnehmen, dann ergäben sich kontraintuitive Folgen. Wenn man nämlich davon ausgeht, dass: (iv) Wenn x Teil von y ist, und y existiert, dann auch x existieren muss , und wenn wir annehmen, dass die Vergegenwärtigung des Tones existiert, dann ergibt sich die Folge, dass die vergegenwärtigte Wahrnehmung des Tones, die in der Vergegenwärtigung des Tones enthalten ist, ebenfalls existieren muss, was mit unserer Erfahrung widerstreitet, und insbesondere mit der These (i). Dies ist ein Punkt, in dem Phänomenologie und Ontologie in Widerstreit geraten: Die Ontologie gibt uns einerseits Grund, dieses Enthaltensein in Frage zu stellen, und höchstens –Brentano folgend- als ein rein metaphorisches zu nehmen. Auf der anderen Seite scheint es schwierig, die Rede des Enthaltenseins als blosse Metapher aufzufassen: Ist die gleichsam vollzogene Wahrnehmung in der Vergegenwärtigung auf ähnliche Weise enthalten wie der Abend im ‚Abend des Lebens’ oder wie Gold im ‚pibe de oro’? Dies scheint auch nicht der Fall zu sein. Auf dieses Dilemma werden wir ausführlich eingehen.

Diskussion zum Vortrag.

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