VO-L Gewalt als philosophisches Problem

VO-L Gewalt als philosophisches Problem

Inhalte: Diese Vorlesung mit erweitertem Lektüreprogramm setzt es sich zur Aufgabe, Gewalt als ein genuin philosophisches Problem zu fokussieren. Ihr Ziel besteht darin, zentrale philosophische und insbesondere ethische Fragestellungen, die im Rahmen der Gewaltforschung auftreten, in deren Rahmen jedoch unaufgelöst verbleiben, systematisch ans Licht zu bringen und einer kritischen Reflexion zu unterziehen.

Im Zentrum der VO stehen zwei Fragen: Erstens die Frage danach, wie Gewalt, die die Ökonomie des Sinnes und Verstehens offenbar unterbricht und möglicherweise zerstört, überhaupt thematisiert werden kann: Lässt sich Gewalt sinnhaft auslegen und explizieren, oder bleibt sie, wie Phänomene exzessiver und sog. sinnloser Gewalt suggerieren, stets ein Fremdkörper in rationalen bzw. normativen Ordnungen des Verstehens? Dass Gewalt in menschlichen Sinnordnungen als (mindestens potenzielle) Drohung der Unordnung bzw. legitime Gegengewalt gleichwohl (immer schon) impliziert ist, dass sie also ein Phänomen einschließender Ausschließung darstellt, das für das Funktionieren sozialer und politischer Ordnungen konstitutiv ist, weist in eine andere Fragerich-tung: die der Rationalisierung und Funktionalisierung von Gewalt für die Genese und Erhaltung von sozialen und gesellschaftlichen Formationen. Die VO-L setzt es sich zum Ziel, das damit angezeigte Zusammenspiel von Nicht-Sinn und Sinn der Gewalt sowohl theoretisch-systematisch als auch praktisch im Rahmen einer Analyse verschiedener Gewaltformen herauszuarbeiten.

Dieses Problem zeigt sich in paradigmatischer Weise im Kampf um die Definitionshoheit über Gewalt, d.h. in Bezug auf die Frage danach, was (nicht) als Gewalt gilt bzw. wahrgenommen wird. In diesem Zusammenhang werden insbesondere klassische Diskurse der Gewaltrechtfertigung kritisch aufgearbeitet, die allzu schnell die blinden Flecke jener Ordnungen selbst verschließen, d.h. ihre ordnungssetzende und ordnungserhaltende Gewalt, die sich selbst als Gewalt (so etwa in rechtlichen, religiösen oder kulturellen Ordnungen) aufzuheben vorgibt.

Die VO zielt vor diesem Hintergrund darauf, zentrale Aporien des Denkens über Gewalt (physisch vs. psychisch; instrumentell vs. sinnlos; natürlich-barbarische Her- bzw. Wiederkunft vs. kulturell-rationale Einhegung von Gewalt; kollektivistisch-holistische vs. individualisierende Erklärung von Gewalt; Naturalisierung vs. Kulturalisierung von Gewaltverhältnissen; Historisierung vs. Essentialisierung der Gewalt; Normalisierung vs. Singularisierung von Gewaltereignissen; der Zirkel ursprüngliche Gewalt der anderen vs. legitime Gegengewalt kritisch zu hinterfragen.

Methoden: Die LV ist als VO mit zusätzlicher Lektüreleistung angesetzt. Ich möchte jedoch in jeder Einheit ausreichend Raum für die Diskussion belassen. Dies erscheint mir insbesondere bei einem "contested concept", wie es Gewalt ist, unumgänglich zu sein.

Ziele: Die LV setzt es sich zum Ziel, eine umfassende Darstellung des aktuellen philosophischen Gewaltdiskurses zu geben und die Studierenden mit den zentralen Problemen und Desiderata der Gewaltforschung zu konfrontieren.

Art der Leistungskontrolle: Schriftliche bzw. mündliche Prüfung, in der dezidiert auch die zusätzliche Leseleistung befragt wird.

Literatur: Ein Reader wird zu Semesterbeginn zur Verfügung gestellt. Die behandelte Literatur umfasst neben diversen philosophischen Positionen (von Agamben über Arendt, Butler, Focault, Hegel und Hobbes bis Rancière) auch aktuelle soziologische, kulturanthropologische und kulturwissenschaftliche Diskussionen.

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