KönigIn Ödipus

22. September 2019 von andrea

Christine Diercks

KönigIn Ödipus

Mit dem Modell des Ödipuskomplexes bringt Freud die entscheidende Herausforderung für die Formung der menschlichen Psyche auf den Begriff. Er beschreibt damit einen Prozess, der zur psychischen Repräsentanz der zentralen triebmotivierten, konflikthaften Dreierkonstellation zwischen Kind und Eltern führt.

Ausgehend von einer anfänglichen absoluten Abhängigkeit des Kindes konvergiert darin das Gesamt seiner unbedingten, prägenitalen, polymorphen Liebeswünsche und feindseligen Gefühle, die es seinen ersten Liebes- und Hassobjekten, entgegenbringt. Bestimmend für das darauf folgende Schicksal der infantilen sexuellen Wünsche und für die Strukturierung der Persönlichkeit bildet der Ödipuskomplex für die Psychoanalyse den Referenzpunkt für psychische Entwicklung, Psychopathologie, Anthropologie und Kulturtheorie.

Es verweist auf ihr epistemologisches Selbstverständnis, wenn eine ihrer zentralen Theorien durch einen Mythos zur Darstellung kommt. In seiner erzählerischen Form berichtet er von Ödipus – von einem einzelnen Schicksal. Über ein narratives Beziehungsgeflecht verbunden, sind darin aber formelhaft allgemeingültige menschliche Erfahrungen repräsentiert und genügend abstrahiert, sodass sich die Besonderheiten jedes individuellen Schicksals daraus ableiten lassen.

Die Sigmund Freud Vorlesungen 2018 sehen sich die Fragestellungen aus psychoanalytischer Sicht näher an. Die Texte zu den Vorträgen sind 2018 im gleichnamigen Band erschienen. Dieser Vortrag ist nicht in der Print-Publikation enthalten.

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