Selbigkeit und Zeugenschaft – das Spannungsfeld von Identität

23. Dezember 2018 von andrea

Franz Oberlehner

Selbigkeit und Zeugenschaft – das Spannungsfeld von Identität

Anhand der einerseits ideengeschichtlichen und andererseits etymologischen Ursprünge des Begriffes Identität lässt sich sein Spannungsfeld entfalten: als „sich-selbst-gleich-sein“ steht er an den Ursprüngen antik-griechischen und damit abendländischem Denkens, mit der Wortwurzel als Zeigewort, als „der-da-igkeit“, ist er unauflöslich in Intersubjektivität begründet. Der Umstand, dass Identität ein zweiseitiger Begriff ist mit sowohl intrapsychischer als auch sozialer Verzweigungen trug dazu bei, dass er in der psychoanalytischen Literatur lange nicht akzeptiert wurde und sich die Psychoanalyse noch immer schwer mit ihr tut. Erst mitmenschliche Zuschreibungkonstituiert Identität. So besteht Geschlechtsidentität in der ursprünglichen Wortbedeutung in der Zugehörigkeit zu einem väterlichen Geschlecht, in der Zeugenschaft, die ein Vater für seine Kinder ablegt. Und doch kann sich das Subjekt der Zuschreibung verweigern, sagen, das bin ich nicht, und doch besteht Identität damit in einem ständigen Abgleichungsprozess zwischen Selbst- und Fremdbild. Diese dynamische Auffassung von Identität soll anhand einiger Beispiele konfliktträchtiger Migrationsbewegungen aus dem zeitgenössischen studentischen Leben illustriert werden.

Die Sigmund Freud Vorlesungen 2017 sehen sich die Fragestellungen aus psychoanalytischer Sicht näher an. Die Texte zu den Vorträgen sind 2018 im gleichnamigen Band im Mandelbaum Verlag erschienen.

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