Am Ende der Renaissance (1)

17. November 2004 von Sergius Kodera

Neue Naturphilosophie, Kolonialherrschaft, Inquisition und die Metropole des Südens. Vortrag von Sergius Kodera am 08.11.2004 im IFK. Eine erstaunliche Anzahl von einflussreichen Intellektuellen (unter ihnen Bernardino Telesio Giambattista della Porta und Giordano Bruno) verbrachten wichtige Jahre im Neapel des späten 16. Jahrhunderts. Sie kritisierten heftig die traditionelle Naturphilosophie und entwickelten radikale Theorien: beispielsweise stehen die Menschen weder im Zentrum der Schöpfung, noch unterscheiden sie sich essenziell von Tieren. Damit einhergehend wird die traditionelle Kosmologie (geozentrisches Weltbild, Elementenlehre, Existenz von Dämonen) durch neue Ordnungssysteme abgelöst, die auf der unmittelbaren Evidenz sinnlicher Wahrnehmung und nicht mehr auf metaphysischer oder religiöser Spekulation beruhen sollen. Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern eine solche Naturalisierung der Welt nicht bloß Ergebnis philosophischer Debatten war, sondern auch als die konzise Reaktion einer intellektuellen Elite auf die komplexe urbane Realität Neapels verstanden werden muss. Sie war von besonderer Enge, brutaler Repression in Politik und Religion gekennzeichnet und zugleich verbunden mit einer durch die Spanische Kolonialherrschaft erzwungenen Öffnung zur iberischen Halbinsel und der „Neuen Welt“ der amerikanischen Dominios. Gesendet am 17.11.2004

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