Was ist ein „Menschenbild“? Annäherungen an einen schwierigen Begriff und ein sperriges Phänomen

9. November 2015 von Michael Gabor Zichy

Vortrag am 10.Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Philosophie, Innsbruck 2015. http://www.uibk.ac.at/ipoint/blog/1326563.html

Die Forschung ist sich darin einig, dass die Frage nach dem Menschenbild eine für allemenschlichen Lebensbereiche zentrale ist und hohe soziale und politische Relevanz besitzt. Denn ein Menschenbild prägt nicht nur entscheidend das je individuelle Verhältniseines Menschen zu sich selbst und seiner Umwelt (und zu Gott), sondern auch die sozialeund politische Gestaltung einer Gesellschaft, die aus der Reflexion über den Menschen, seine Grundbedürfnisse und Ansprüche Orientierung und Legitimation bezieht. Um mitKarl Jaspers zu sprechen: „Die Verwahrlosung des Menschenbildes aber führt zur Verwahrlosung des Menschen selber. Denn das Bild des Menschen, das wir für wahr halten,wird selbst ein Faktor unseres Lebens. Es entscheidet über die Weisen unseres Umgangsmit uns selbst und mit den Mitmenschen, über Lebensstimmung und Wahl der Aufgaben.“ (Jaspers 1948, S. 56) Doch so beliebt und so zentral der Begriff des Menschenbildesauch ist und so groß der Konsens darüber ist, dass damit ein fundamentales Thema angeschnitten wird, so un- und unterbestimmt ist dieser Begriff; er besitzt kein wissenschaftliches Profil. Bis heute liegt nicht eine gründliche theoretische Untersuchung zum Begriff„Menschenbild“ vor. Auch in den einschlägigen Lexika sucht man den Begriff vergebens. Aus diesem Grund bemüht sich der Vortrag in einem ersten Schritt zunächst um eineKlärung des Begriffs „Menschenbild“: durch eine Analyse des Begriffsgebrauchs, demVersuch einer Definition des Begriffs – der Begriff wird als „mehr oder weniger kohärentes Bündel von Überzeugungen über wichtige Eigenschaften des Menschen im Allgemeinen“ bestimmt werden – und der Einführung weiter begrifflicher Differenzierungen, v.a. derjenigen zwischen theoretisch-wissenschaftlichen und praktisch-lebensweltlichenMenschenbildern. In einem zweiten Schritt widmet sich der Vortrag dann den praktisch-lebensweltlichen Menschenbildern, d.h. denjenigen Vorstellungen vom Menschen, die in unser aller Leben eine wichtige, aber oft unbemerkte Rolle spielen.

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