Der gegenwärtige Mensch vor Leiden und Tod

28. Januar 2016 von Noelia Bueno-Gómez

Vortrag am 10.Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Philosophie, Innsbruck. http://www.uibk.ac.at/ipoint/blog/1326563.html

Noch nie zuvor hatte der Mensch solche Kontrolle über Leiden und Tod wie heutzutage. Die Entwicklung der Medizin und die der anderen Naturwissenschaften hat uns dieMöglichkeit gegeben, Schmerz und Leiden zu lindern und den Tod zu verzögen. TechnoWissenschaften beeinflussen und modellieren die neuen Erfahrungen des Leidens und desTodes, die neue Sprachen, Räume, Experten und Mittel haben. Die absolute Kontrolleüber den Tod ist noch eine Phantasie, aber die Frage über die mögliche Elimination desmenschlichen und tierischen Leidens sollte durchaus zur Sprache gebracht werden, weildie technischen Mittel zur Erreichung dieses Zieles immer näher rücken. In diesem Beitrag führe ich einige der neuen techno-wissenschaftlichen Bedingungen des Leidens unddes Todes, auf den materiellen, epistemologischen, symbolischen und praktischen (bioethischen und politischen) Ebenen aus. Noch nie vorher hat der Mensch seine Grenzenderart erweitert. Darum muss er auch neuen Extremsituationen trotzen, für die er neueRessourcen und Interpretationen braucht. Zwei von diesen Extremsituationen werdenin diesem Beitrag analysiert: die Verfremdung des eigenes Körper infolge der medizinischen Eingriffe und intensiver Behandlungen (a) und die existentielle Schwelle infolgeder unbekannten ärztlichen Sprache und die unbekannten Räume des Todes (b), etwadie Situation der Menschen, die in Krankenhäusern oder in Altenheimen sterben. Esgibt zwei Beispiele um beide Extremsituationen zu analysieren. Einerseits die phänomenologische Erfahrung des verfremdeten Körpers, über die Jean-Luc Nancy in seinem TextL’Intrus nachdenkt. Anderseits die Situation einer ganzen Generation von alte Menschenim gegenwärtigen Spanien, die in ländlichen Räumen leben und nach der Landfluchtder Jugend und der Eingliederung der Frauen in den Arbeitsmarkt nunmehr ihre letzteLebensphase in unbekannten Altenheimen verbringen müssen. Auf diese Herausforderungen, die ihren Ursprung in den genannten zeitgenössischen techno-wissenschaftlichenBedingungen haben, versucht dieser Beitrag neue Antworten, Interpretationen undHandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

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