Das Versprechen des Humanen. Sprachliche Bilder der Sorge

25. November 2015 von Sandra Markewitz

Vortrag am 10.Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Philosophie, Innsbruck 2015. http://www.uibk.ac.at/ipoint/blog/1326563.html

Die Sorge, eine begrifflich an Heidegger anschließende „Ethics of Care“ (C. Gilligan), isteine Haupteigenschaft von Sozialitäten, die versuchen, sich über historische Erschütterungen und Entwicklungen hinweg zu erhalten. Die Unwägbarkeit dieser Entwicklungengeht nicht nur in die Performanzen und Darstellungsweisen schützender und bewahrender Tätigkeit der Menschen untereinander ein, sie ist aufgefangen in den symbolisierenden Medien alltäglicher Kommunikation wie ihrer exzeptionellen Fälle. Sprachlich lässtsich, in der philosophischen Argumentationslinie der „Verletzenden Worte“ (S. Krämer et al.), eine Spiegelung der Funktionen und Durchführungen sorgender Handlungenbeobachten, die ethisches Tun in der Verwendung bestimmter Begriffe sichtbar werden.

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lässt. Mit Rekurs auf Christine Korsgaards Überlegungen zur Herausbildung von Normativität in menschlichen Gemeinschaften, Grundlagen der philosophischen Anthropologiesowie Konzepte der modernen Sprachphilosophie (Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“ (1953), v. Savignys „Der Mensch als Mitmensch“ (1996)) oder Blumenbergs Überlegungen zum Begriff des Selbstverständlichen in „Die Sorge geht über denFluß“ (1987) und „Zu den Sachen und zurück“ (2007) sollen jene Verbindungslinienuntersucht werden, die anthropologische Konstanten verbalisieren und damit den Rahmen philosophischer Sachdiskussionen an Vorstellungen des Humanen rückbinden: Wiekann ich vom Anderen sprechen? Lässt sich das Rätsel der Alterität (Levinas) sprachlichausdrücken? Warum darf ich mit den „Tiefen des Andern“ (Wittgenstein) oder dem, wasihm „selbstverständlich ist“ (Blumenberg) nicht spielen? Auf diese Fragen soll anhandvon Überlegungen und Beispielen Antwort gegeben werden: die sprachliche Formierungdes Humanen bedeutet nicht nur die Abbildung der menschlichen Sorge und ihre symbolische Vermittlung, sondern deren Konstitution. Das Mediale (Mersch) ist der Raum,in dem Menschliches visibilisiert und im Blick auf gegebene Sachverhalte immer wiederüberprüft wird. Der ontologische Reichtum der Phänomene von Sorge, Schutz und Gütefindet in seiner symbolischen Vermittlung zugleich einen eigenen Raum, der die Grenzenüberlieferter Phänomenalität von Sorge und Zuwendung auslotet und als sprachlicheGesten sichtbar macht, die auf Handlungsbereiche menschlicher Kultur entscheidend bezogen sind und diese in ihrer Gestalt prägen, ohne in der bloßen Vermittlungsdimensionzu verharren oder ein striktes Abbildverhältnis gegebener Bilder des Humanen und ihrerzeichenhaften Darstellung zu implizieren.

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