Public Intelligence - Wissen.schaf[f]t. Freiheit?! Open Access, (preemptive) Self-defence, Collateral Damage and Science-guerilla

4. Oktober 2008 von Gernot Hausar

Ausgehend von der Vernetzung der im Grunde gegensätzlichen Konservierungsbestrebungen des kulturellen Erbes und der Innovation als solcher wies der Vortragende darauf hin, dass Open Access lediglich als eine unter den unterschiedlichsten Reaktionen auf die kreativen Techniken im Internet anzusehen ist. Unter den vielfältigsten, gegenwärtig kursierenden juristischen Lösungen könnte die Rechtsform »Copy-Left«, d.h. ein Copyright für ausschließlich im WWW publizierten Beiträge etabliert werden. Für die Rentabilität von OA-Veröffentlichungen könnte indessen das Modell von Apple als Musterbeispiel dienen, dem es gelungen ist, den Download rentabel zu gestalten und zwar in Konkurrenz von Raubkopien. Gernot Hausar empfahl, für den OA-Bereich eine Akzentverschiebung vorzunehmen, denn, wie er meinte, das Hauptproblem bestehe weniger in Fragen der Förderung und der Qualitätssicherung, als vielmehr in der Zitierbarkeit der einzelnen Inhalte und Quellen, zumal das Internet als eine zutiefst dynamische, mit minimalen Kontrollinstanzen ausgestattete Institution fungiert und daher auch nicht dafür bürgen kann, solche Konservierungsmaßnahmen durchzuführen. Wie bereits mehrfach in den Diskussionen angeschnitten, plädierte Gernot Hausar auch jetzt für die Stärkung von kleineren Initiativen: Als aktuelles Gedankenexperiment am Beispiel von universitären Seminararbeiten präsentiert, gab er zu bedenken, wie eine beachtliche Datenbank alleine durch die Veröffentlichung von studentischen Beiträgen erstellbar wäre, würde eine Universität die nötigen Mittel, aber v.a. das nötige Interesse aufbringen. Um der Inflexibilität und der nicht seltenen Innovationsfeindlichkeit von Institutionen entgegenzuarbeiten, muss eben das individuelle Engagement, ja der Altruismus, der z.B. von Falk Reckling radikal in Zweifel gezogen wurde, nachdrücklicher gefördert werden, was mit Hilfe einer zentral geführten Linksammlung o.Ä. nicht in Isolation und Zersplitterung abdriften würde. Weiters gab der Vortragende zu bedenken, ob das Modell einer unentgeltlichen, durch Werbung finanzierten Datenbank nicht auch auf die wissenschaftlichen OA-Publikationsformen übertragbar wäre. Ein Versuch, dieses Modell umzusetzen, wäre umso ratsamer, denn es ist öfters der Fall, dass ursprünglich öffentlich finanzierte Projekte durch Gruppen mit Profitinteressen einvernommen werden: Dagegen sollte die Idee einer offenen Gesellschaft stärker unterstützt werden, indem der Staat dafür sorge, die einschlägigen Mittel für eine kritische Zivilöffentlichkeit bereit zu stellen.

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