Open Access. Die Ökonomie alter und neuer wissenschaftlicher Publikationsformen

4. Oktober 2008 von Falk Reckling

Da ein zentrales Anliegen des FWF darin bestehe, die Forschungsergebnisse transparent und somit die Subventionspolitik legitimierbar zu machen, wurden neuerlich Maßnahmen getroffen, die die Veröffentlichung von Forschungsresultaten, Studien usw. im Internet nicht nur finanzieren, sondern diese explizit als Pflicht der jeweiligen geförderten WissenschafterInnen ausweisen. Diese Art der Publikation stärke nämlich nicht nur die Transparenz, Reproduzierbarkeit und Vernetzung des Wissens, sondern sie sei auch kostengünstig, schnell, qualitativ (und plagiatstechnisch) kontrollierbar, und durch die freie Zugänglichkeit unterstütze sie die wissenschaftliche Kommunikation insbes. im Falle von kleineren Disziplinen. Trotzdem sieht sich die Praxis der Open-Access-Publikation mit etlichen Schwierigkeiten konfrontiert: Im Gegensatz zu den generellen Entwicklungen in den Naturwissenschaften ist die Reputation der OA-Veröffentlichungen gerade im Bereich der Humanwissenschaften immer noch äußerst niedrig; um den neuen Aufgaben nachkommen zu können, müssten die Finanzbudgets der Bibliotheken neu strukturiert bzw. ihre Zuständigkeiten klarer definiert werden; technisch gesehen fehlt es an Lösungen für langfristige und konvertierbare Archivierungsformen und fachspezifische Suchmaschinen, außerdem besteht im Verlagswesen immer noch ein Mangel an profitablen OA-Modellen. Die Tätigkeiten des FWF richten sich demnach u.a. auf die Ausbildung von Kooperationsformen mit unterschiedlichen Wissenschaftsverlagen, die neben Einzelveröffentlichungen auch die streng begutachtete Publikation von Sammelbänden mit einschließen: Dies sei nachgerade ein bedeutender Fortschritt im österreichischen Verlagswesen, denn Peer-Reviewing stelle hier eine beinahe unbekannte Verlagspraxis dar, die, so die offizielle Erklärung, ausschließlich vom Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ausgeübt werde. An Hand dieser Erfahrungen betonte Falk Reckling die Dringlichkeit von für die österreichischen Forschungsstellen verbindlichen Publikationsrichtlinien, etwa nach dem Muster der OA-Policy der Harvard University, sowie die Ausarbeitung von Maßnahmen der einheitlichen Qualitätssicherung.

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