Going digital: Die Neu(er)findung des Bibliothekskonzepts

4. Oktober 2008 von Bettina Kann

Bevor die Strategien der Österreichischen Nationalbibliothek vorgestellt wurden, skizzierte Bettina Kann den allgemeineren Kontext von Digitalisierungsprojekten: Nach der auch offiziellen Ausformulierung der Erkenntnis, der freie Zugang zur Information und Wissen stärke das gesellschaftliche Engagement und soll als Priorität auch auf EU-Ebene gelten, konnten die Rolle der traditionellen Bibliotheken und das Problem der Digitalisierung neu diskutiert werden. Allerdings begünstigten die erbrachten zentralen Maßnahmen v.a. Einzelprojekte, die bspw. in den österreichischen Bibliotheken zunehmend isoliert und durch mangelnde Kooperationsmöglichkeiten gehemmt geführt wurden und werden. Die Situation wird auch noch dadurch erschwert, dass auf diese Weise das Kriterium der Nachhaltigkeit kaum zu erfüllen sei, und dass die Bibliotheken nicht selten mit einem Mangel an Inhalten, die digitalisiert werden sollen, konfrontiert werden. Wie allerdings das – freilich stark kritisierbare – Projekt Googlebooks sowie die bisherigen Erfahrungen bewiesen, soll die Digitalisierung nach wie vor prioritär behandelt werden, wobei das Selbstmarketing der Bibliotheken und v.a. die institutionelle Kooperation gleichfalls zu entwickeln wären. Leider aber, so Bettina Kann, verfehlen die zentralen, v.a. auf der Ebene der EU getroffenen Maßnahmen den Kern der Sache: Während die technische Ausstattung mehr als ausreichend finanziert ist, konnten gerade die inhaltlichen Mängel nicht behoben werden, und außerdem zeigten die Berichte eine krasse Asymmetrie zwischen den finanziellen Aufwendungen und den Mengen an digitalisierten Inhalten. Was die Digitalisierungsprojekte der ÖNB betrifft, konnte Bettina Kann nicht nur von einer vielfältigen, Zeitschriften, Gesetzestexte, Porträts, Papyri und Erstausgaben umfassenden, allerdings v.a. auf Bildformate beschränkten archivalischen Aktivität berichten, sondern auch davon, dass die Verpflichtung von Verlagen, der Nationalbibliothek ein Pflichtexemplar einzureichen, nun auch auf Offline-Medien ausgedehnt werden konnte. Die freie Zugänglichkeit dieser Materialien ist jedoch nach wie vor problematisch: Die Verhandlungen, die mit Verlagen geführt werden, scheitern häufig an den Fragen des Copyrights.

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