"Wie ich die Metaphilosophie sehe"

27. Juli 2011 von Sebastian Kletzl

Am Beginn dieses Vortrags steht eine so einfache wie weitreichende Beobachtung von Friedrich Waismann die er in seinem letzten zu Lebzeiten publizierten Text „Wie ich die Philosophie sehe“ anstellt: Die Philosophie lebt von der unaufhebbaren Spannung, zwischen Aussagen mit Wahrheitsanspruch und ihrer Anzweiflung. Wenn man sich die Geschichte der Philosophie ansieht, kann man erkennen, dass jeder Wahrheitsanspruch, der formuliert wurde, auch stichhaltig angezweifelt worden ist. Aus diesem Grund erklärt Waismann, dass noch kein Philosoph je etwas bewiesen habe und dass philosophische Argumente niemals logisch zwingende Argumente sein können. Doch Waismann versucht ebenso, seine Ansicht mit Argumenten zu beweisen – auch er macht Wahrheitsansprüche geltend. Damit ist er wieder mitten im Spiel des Gebens und Bezweifelns von Wahrheitsansprüchen. Ist eine Metaposition zu diesem Spiel also unmöglich? Der Vortrag beschäftigt sich mit Waismanns (indirekter) Antwort auf diese Frage, die für einen logischen Empiristen überraschend ausfällt. Denn – so die These des Vortrags – Waismann stellt in seinem Spätwerk Überlegungen dahingehend an, dass das Ziel der Philosophie nicht als das Streben nach Wahrheit verstanden werden sollte, sondern als ständige, kreative Neubeschreibung des eigenen Selbst und der Welt. Um diese These zu belegen wird zuerst Waismanns Theorie der Person dargestellt die er in seinem Werk „Wille und Motiv“ umrissen hat. In einem zweiten Schritt wird diese dann mit „Wie ich die Philosophie sehe“ verbunden. Dadurch wird es möglich sein, den kryptischen Schlußsatz dieses Textes zu deuten. Denn Waismanns Lebenswerk endet mit folgenden Worten: „Was in Worte gefaßt wird, stirbt, was in Werke gefaßt wird, lebt.“

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