Selbstbegrenzung oder Grenzziehung von außen? Zwei Wege der Behandlung der Perspektivität der Philosophie

30. Juni 2011 von Damir Smiljanic

Das Anliegen des Autors ist die Gegenüberstellung zweier Weisen des Umgangs mit dem Phänomen der Perspektivität des Philosophierens, d. h. mit der Tatsache der Begrenztheit des philosophischen Erkennens. Der interne Versuch besteht darin, die Grenze zwischen Erkennbarem und Unerkennbarem mit philosophischen Mitteln zu bestimmen. Zwei Beispiele können dies veranschaulichen: Kants Versuch einer Vernunftkritik und Nicolai Hartmanns kritische Ontologie. Beide Versuche sehen jenes Philosophieren, das sich über Grenzen hinwegzusetzen sucht, in Gefahr, sich in Antinomien und dogmatische Denkfehler zu verstricken und schlagen eine möglichst standpunktneutrale Kategorialanalyse vor, welche sich an klare Zuordnungen zwischen Phänomenen und Denkformen bzw. Seinsschichten hält. Der externe Versuch, mit der Tatsache der Standortgebundenheit philosophischer Erkenntnis zurechtzukommen, wird von der sog. Metaphilosophie vollzogen: Philosophie wird als solche in den Blick genommen und als Verkörperung von Perspektiven dargestellt. Während selbstkritische Philosophen wie Kant oder Hartmann trotz der Anerkennung unüberwindlicher Grenzen (Ding an sich, Irrationalität des Seins) an der Möglichkeit wahrer Erkenntnis festhalten, versucht die Metaphilosophie philosophische Erkenntnisse als einer bestimmten Standortlage entsprechend zu bestimmen (nicht unter dem Gesichtspunkt ihrer Sachangemessenheit). Wer in der Philosophie Grenzen markiert, positioniert sich weiterhin auf dem Gebiet der Philosophie; wer metaphilosophisch Grenzen zwischen philosophischen Standorten ausmachen will, transzendiert die Ebene des philosophischen Denkens. Der Autor geht schließlich der Frage nach, ob damit nicht zwischen der Philosophie als positionalem Denken und Metaphilosophie als relationalem Denken selber eine Grenze errichtet wird – und falls dies der Fall sein sollte, welche Rückwirkungen eine solche Grenzsetzung auf das Selbstverständnis der Philosophie hätte.

Diskussion zum Vortrag.

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