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Vom Cyborg zur Transsexualität. Wie neue Technologien die Geschlechtergrenzen überschreiten

30. Juni 2011 von Doris Leibetseder

Anhand von den zwei Beispielen des Cyborgs und der Transsexualität werde ich veranschaulichen wie neue Technologien zur Subversion eines binären und heterosexuellen Geschlechtersystems beitragen. Zuerst erfolgt die Geschichte und Definition des Cyborgs, dann die Analyse der Cyborgtheorie von D. Haraway, in der sich die Dichotomien in einer Welt des hierarchischen Dualismus auflösen. Als eine weitere Grenzüberschreitung, dieses Mal über die Philosophie hinaus, werde ich Musikvideos zur Darstellung von diesen Beispielen benützen und so Björk’s Video All is Full of Love auf deren Verwendung der Cyborgs hin analysieren und aufzeigen, wo traditionelle Grenzen in diesem Video überschritten werden. Die zwei Cyborgs des Videos werden von Maschinenarmen zusammengesetzt, durch deren Maschinenkörper eine Flüssigkeit fließt, aber in verkehrter Richtung. Bei L. Irigaray ist das Flüssige das Symbol für die Frau, für das Andere, das Gegenteil von Rationalität oder festen Körpern. Die Cyborgs werden von der Liebe zueinander gesteuert und trotz der Maschinen wird eine Atmosphäre von Behutsamkeit, Liebe, Fürsorge und Zärtlichkeit erzeugt. Bei meinem nächsten Beispiel, der Transsexualität, gehe ich ähnlich vor, am Beginn steht die historische und begriffliche Abklärung, darauffolgend die Auseinandersetzung, die zu politischen Grenzkriegen im Feminismus und Gender Studies führte, nämlich ob die Transsexualität sich einfach der Normierung des Zweigeschlechtersystems unterwirft oder doch zur Subversion oder Auflösung der Identitäten Mann oder Frau beiträgt, was auch zu Diskussionen führte, ob Transfrauen (von Mann zu Frau) in Frauenräume dürfen oder nicht. Das Musikvideo dazu kommt von einem Transmann (Frau zu Mann), Katastrophe, einem Hip-Hop Sänger, der in seinen Liedtexten von seinem Alltagsleben berichtet, das an den Säulen der männlich oder weiblichen Geschlechterkonstruktionen rüttelt.

Diskussion zum Vortrag.

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1 Kommentar

Kommentare

  • Zara Paz
    schrieb am 28.12.2011 03:23:03…

    Die Fragestellung macht meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn. "Die Transsexualität" ist ein leerer Begriff, ein Stempel wie "Die Türken", "Anarchismus" oder "Die Drogensüchtigen", hier hauptsächlich um Leuten die Anerkennung als das was sie sind streitig zu machen und ihre Geschlechtszugehörigkeit in Frage zu stellen.

    Auch die diskriminierenden pauschal Bezeichnungen "Frau zu Mann/Mann zu Frau" im Text lassen schon tief blicken (warum, keiner hat das Recht, jemand, der sich seit Geburt als weiblich sieht als "Mann zu Frau" hinzustellen und umgekehrt, damit soll doch nur die gewaltsame und menschenverachtende Diskriminierung bis zu irgendeiner offiziellen "Anerkennung" (meist juristisch, oft durch Äußerlichkeiten, z.B. OPs lächerliche Grenzziehungen halt, die den Mensch und den ihm IMMER zustehenden Respekt abhängig von willkürlichen und oberfllächlichen Grenzen machen!!) kaschiert werden, darum auch der total lächerliche Mythos der "Geschlechtsumwandlung" hauptsache man muss nicht zugeben, viele Menschen von kleinauf systematisch zu schikanieren und in den Selbstmord zu treiben, indem man sie erst Jahrzehnte später partiell unter horrenden Bedingungen anerkennt, während alle andern dieses Privileg immer haben).

    "Die Transsexualität" ist in erster Linie eine sexistische, abwertende Schublade, die sich irgendein Psychologe oder Psychiater ausdachte, um die Traditionelle Abwertung und Gewalt gegen Frauen mit Penissen und Männern mit Vaginas zu rechtfertigen, behauptend, dies sei eine "Krankheit", eine psychische Krankheit, die mit Homosexualität zu tun habe. Würde man Frauen oder Männern mit anderen Merkmalen (z.B. roten Haaren) ihre Weiblichkeit/Männlichkeit von Geburt an aberkennen und ihre Geschlechtszugehörigkeit wegen dem Merkmal als Krankheit bezeichnen, so würde jede_r sagen, das sei absurd. Hier wird das total ernst genommen und nicht hinterfragt! Traurig.

    Also "die Transsexulität" ist für mich ein Merkmal wie "die Rothaarigkeit bei Frauen und die Schwarzhaarigkeit bei Männern", etwas das willkürlich ist, aber zur Nichtanerkennung der Geschlechtszugehörigkeit, zur Ausgrenzung und Verfolgung führt. Und da es auch Zwitter gibt und andere, die als "TS" stigmatisiert oder auf der Straße als "Scheißtranse" bezeichnet und dafür dann sanktioniert werden, ist dieses Merkmal ganz offensichtlich etwas schwammiges, schwammiger als den allermeisten bewusst ist oder sein soll.

    Und ob ein Mensch, den man in diese Schublade steckt, mehr oder weniger normativ ist, handelt und sein/handeln will als andere im Zweigeschlechtersystem. also die seit Geburt Privilegierten, Anerkannten, ist primär abhängig vom eigenen Willen, den Erfahrungen, dem Charakter und Zielen. Besonders die Frage, ob der gezielte Zwang (Vorraussetzung in z.B. ZWANGS-Psychotherapie, um RICHTIGEN Namen und Geschlecht später(!!) anerkannt zu bekommen) zur krassen, unnormalen (kein Mensch sonst muss das unfreiwilliig in dem Maß tun!!) Reflektion in Bezug auf Rollen. Gender, Sex usw. nicht notgedrungen Trotzreaktionen hervorruft, sollte interessieren.

    Die soziale Konstruktion "Transsexualität" ist ein Dämon, eine Unterdrückungsmaschine und die von diesem Dämon Betroffenen sind teilweise pro teilweise anti-Zweigeschlechtersystem. Jedenfalls werden sie alle gezwungen sich viel mehr mit den persönlichen aber auch gesamtgesellschaftlichen Pros und Contas auseinanderzusetzen als die meisten, die jahrelang Genderstudies studieren, nur unfreiwillig.Desöfteren hört mensch Sätze wie "es ist mir bewusst, dass Frau und Mann zwei willkürliche Kategorien sind, die eher einengen als frei machen. Aber sollen doch erstmal die zur Auflösung dieser Kategorien beitragen, die sich von Geburt an Frau oder Mann nennen können ohne dafür geschlagen, ausgelacht und zur Rechtfertigung gezwungen zu werden..."


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