Von der Unmöglichkeit schon Überwundenes zu überwinden: Zur Kritik der Kategorie "Grenze" in Hegels »Wiss. der Logik«

30. Juni 2011 von Antonios Kalatzis

Die kritische Philosophie Kants war diejenige, welche mit Begriffen wie Ding-an-sich”, „intellektuelle Anschauung”, „Freiheit” usw. die Konzeption des Grenzbegriffs als selbstverständlich durchgesetzt hat. Darunter waren Begriffe zu verstehen die nur eine negative Funktion hatten: eine Bezeichnung für die Unmöglichkeit gewisse theoretische Gegenstände vollkommen zu begreifen. Hauptmerkmal dieser Konzeption war, dass eine klare Linie zwischen begrifflichen und un-begrifflichen Gegenständen unproblematisch gezogen wurde und man dadurch mit „Transzendenz” widerspruchsfrei operieren konnte. Die Infragestellung dieser Selbstverständlichkeit war, schon seit seiner frühen Phase, Hegels Hauptanliegen. Diese „Zwei-Welten”-Konzeption war, seines Erachtens, nicht nur logisch inakzeptabel sondern auch katastrophal für das Verständnis von Natur und Politik: Sein ganzes Werk könnte sogar unter diesem Aspekte gelesen werden, als Versuch die Immanenz und Begrifflichkeit des angeblich „Transzendenten” – seine Gegenwart – in allen Bereichen aufzuzeigen: Er hat nicht nur sporadisch eine große Anzahl theoretischer Konzeptionen, die implizit mit dieser Selbstverständlichkeit operierten, heftig kritisiert. Vielmehr hat er explizit in seiner »Wissenschaft der Logik« den Begriff der Grenze selbständig betrachtet. Der Beitrag will dieses Kapitel rekonstruieren, indem es a) Hegels Verständnis der traditionellen Grenz-Variationen, b) die Probleme die sie mit sich bringen und c) die Hegelsche Lösung als ihre notwendige Modifikation darstellt: „Etwas und Anderes”, „Bestimmung, Beschaffenheit und Grenze”, „Schranke und Sollen”, „Endliches und Unendliches” werden voneinander isoliert und wieder aufeinander bezogen, um eine neue Auffassung zu liefern, welche die Kluft zwischen „Diesseits“ und „Jenseits” als schon überbrückte zeigt – mit den Worten Hegels: „wenn von Vernunft die Rede ist, so ist [es die] größte Torheit, Schranken setzen zu wollen, denn sie sind schon überwunden“.

Diskussion zum Vortrag.

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