Die Kraft der Reproduktion

27. Juli 2011 von Matthias Flatscher

Die Kraft der Reproduktion In seiner "Vorlesung zum inneren Zeitbewusstsein" (1904/05) hat sich Husserl vornehmlich dem Verhältnis von Urimpression und Retention gewidmet, um das „originäre Zeitfeld“ und damit das Gegebensein von Zeitlichkeit in ihrem Verfließen zu beschreiben. Die so genannte sekundäre Erinnerung oder Wiedererinnerung spielt dabei eine nebengeordnete Rolle, da sie bloß eine Reproduktion der Struktur von Urimpression-Retention (bzw. Protention) und so des gesamten Wahrnehmungsflusses darstellt. Die reproduzierte Zeit weist somit beständig zurück auf eine ursprünglich gegebene und somit originär präsentierte. Im geplanten Vortrag soll jedoch auf die „produktive“ Kraft der Vergegenwärtigung eingegangen werden, die sich laut Husserl dafür verantwortlich zeichnet, „Dauergegenständlichkeiten“ (Hua X, 36) zu konstituieren und damit einhergehend eine feste Ordnung von identifizierbaren Zeitstellen allererst zu gewährleisten. Erst im erneuten und immer wieder zu vollziehenden Zurückkommenkönnen bildet sich die Identität von (Zeit-)Objekten und eine objektive Zeit: „Identität von Zeitobjekten ist also ein konstitutives Einheitsprodukt gewisser möglicher Identifizierungsdeckungen in der Wiedererinnerung.“ (Hua X, 108) Neben dieser objektbezogenen Konstitutionsleitstung der Reproduktion stiftet die Wiedererinnerung auch die Identität des Subjekts, das seinen Stand nur aus Wiederholungszusammenhängen gewinnt. Aus genetischer Persepektive muss daher ein anderes – nachträgliches und zugleich prekäres – Selbstverständnis in Anspruch genommen werden.

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