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Vertrauen und der Standpunkt der zweiten Person

30. Juni 2011 von Christian Budnik

Der Begriff des Vertrauens hat in den letzten Jahrzehnten sowohl im Bereich der theoretischen Philosophie als auch im Zusammenhang mit verschiedenen Fragestellungen der praktischen Philosophie verstärkte Aufmerksamkeit von Seiten der philosophischen Forschung erlangt. Unabhängig von der spezifischen Frage, die dabei jeweils verfolgt wird, lassen sich im Zusammenhang mit dem Begriff des Vertrauens zwei miteinandender zusammenhängende Themenkomplexe ausmachen. Zum einen wird gefragt, um was für eine Art von mentaler Einstellung es sich bei Vertrauen handelt; zum anderen steht die Frage im Mittelpunkt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um Vertrauen als ein gerechtfertigtes Vertrauen auszuzeichnen. Die Antworten auf diese Fragen lassen sich zwei Theorietypen zuordnen. Auf der einen Seite stehen kognitivistische Ansätze, die Vertrauen als eine spezifische Weise des Überzeugtseins betrachten; auf der anderen Seite wird Vertrauen als eine affektive Einstellung betrachtet, die nicht denselben Rechtfertigungsbedingungen unterliegt, wie sie für Überzeugungen einschlägig sind. Im vorliegenden Beitrag soll der systematische Rahmen für eine Theorie entwickelt werden, die zwischen diesen beiden Ansätzen vermittelt. Im Anschluss an Holtons Analyse von Vertrauen und Darwalls Theorie der moralischen Anerkennung wird Vertrauen hierbei als ein Verhältnis verstanden, in dem Personen zueinander stehen, sofern sie einander gegenüber den Teilnehmer-Standpunkt bzw. den Standpunkt der zweiten Person einnehmen. Versteht man Vertrauen in diesem Sinne als das Einnehmen eines spezifisch normativen, zweitpersonalen Standpunktes, erübrigt sich die Frage nach einer Reduktion von Vertrauen auf kognitive oder nicht-kognitive mentale Einstellungen. Gleichzeitig kann verständlich gemacht werden, auf welche Weise Vertrauensbeziehungen bestimmten Typen von mentalen Einstellungen rational zugrunde liegen und in welchem Rahmen Vertrauensbeziehungen andere mentale Einstellungen generieren.

Diskussion zum Vortrag.

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